Messingkruzifix

Korpus und Balken sind einzeln gegossen. Der Werkstoff besitzt einen hohen Kupfergehalt. Die Füße sind über den Knöcheln erneuert worden. Man gewinnt daher den Eindruck, dass die Person Fußringe trägt. Ebenso scheint das Kreuz unterhalb der Randverzierung erneuert worden zu sein. Das Kreuz ist auch auf der Rückseite graviert.
In Schwarzafrika ist die Idee weit verbreitet, dass alles Große männlich und weiblich ist.
Auf eine Frau weisen hin: die Brüste, die vier Ringe am linken Arm (vier ist die Zahl der Frau, „links “ ist die Seite der Frau), die Halskette und die Brusttätowierung.
Männlich ist die Figur im übrigen Aufbau: enges Becken, breite Brust, drei Armringe rechts (drei und „rechts " sind männlich).
Die Idee der Doppelgeschlechtlichkeit ist in der traditionellen Kunst durch zahlreiche Beispiele zu belegen (siehe: J. Thiel, Christliche Kunst in Afrika, 1983, S. 90).
Missionare, die dieses Kruzifix vor einigen Jahrzehnten gesammelt haben, erfuhren von den früheren Besitzern, dass man es Ndona Nkento nannte (ndona ist der Ehrentitel für Frau, von donna; nkento bedeutet in Kikongo Frau). Die Missionare bezeichneten daher die dargestellte Person als die legendäre heilige Jungfrau Wilgefortis. Eine Legende erzählt, dass Gott ihr, um ihre Jungfrauschaft bewahren zu können, einen Bart wachsen ließ. Sie soll später gekreuzigt worden sein. Sie wurde in Belgien, aber auch in Spanien und Portugal zur Zeit Karls des Großen verehrt. Diese Vermutung der Missionare kann mit Recht bezweifelt werden.
Fundort: Kivala, Matadi, Nordangola, nahe der Grenze zum Kongo.